Lebenszyklus der Entwicklung von Informationssystemen: Wichtige Standards und Modelle
Der Lebenszyklus der Entwicklung von Informationssystemen definiert die Abfolge der Phasen vom ersten Konzept bis zur Stilllegung. Es handelt sich um einen strukturierten Prozess, der die Effizienz der Entwicklung maßgeblich beeinflusst. Für IT-Fachleute ist das Verständnis dieser Lebenszyklus-Standards entscheidend, um den passenden Ansatz je nach Projekt auszuwählen.
Der ISO/IEC 12207-Standard beschreibt Prozesse für den Software-Lebenszyklus, ohne ein starres Modell vorzuschreiben. Die Prozesse gliedern sich in:
- Primäre: Beschaffung, Lieferung, Entwicklung, Betrieb, Wartung.
- Unterstützende: Projektmanagement, Risikomanagement, Qualitätsmanagement, Konfigurationsmanagement, Verifikation, Validierung.
- Organisatorische: Lebenszyklusmanagement, Infrastrukturmanagement, Projektportfoliomanagement, Personalwesen, Wissensmanagement, Prozessverbesserung.
Vorteile: klare Trennung von Kunden- und Lieferantenrollen, ideal für Audits. Nachteile: hoher Bürokratieaufwand, zu umständlich. Der ISO/IEC 15288-Standard für das Systems Engineering baut darauf auf und deckt Software, Hardware und Prozesse ab.
GOST 34.601-90: Abfolge der Phasen
GOST 34 regelt die Erstellung automatisierter Systeme, zu denen auch Informationssysteme als integrierte Hardware-Software-Lösungen zählen. Das Modell umfasst 9 Phasen:
- Bildung der Anforderungen an automatisierte Systeme (Erhebung, Pflichtenheft).
- Konzeptentwicklung (Forschung und Entwicklung, Variantenauswahl).
- Technische Aufgabe.
- Vorentwurf.
- Technischer Entwurf.
- Arbeitsdokumentation.
- Inbetriebnahme (Einführung, Prüfung).
- Wartung.
- Beendigung der Arbeiten.
Vorteile: hohe Steuerbarkeit, rechtliche Präzision bei kritischen Systemen. Nachteile: geringe Flexibilität, lange Zyklen, Inkompatibilität mit Agile ohne Anpassung. In der Praxis dient GOST 34 als Grundlage, wobei Iterationen innerhalb der Phasen eingeführt werden.
Wasserfallmodell
Ein lineares Modell mit sequentieller Durchlauf der Phasen: Anforderungen, Entwurf, Implementierung, Verifikation, Wartung. Der Übergang zur nächsten Phase erfolgt erst nach Abschluss der vorherigen.
Geeignet für Projekte mit feststehenden Anforderungen: Staatsaufträge, Sicherheit, Luftfahrt. Vorteile: einfache Planung, Budgetkontrolle, klare Rollen. Nachteile: Unflexibilität, Risiken durch Fehlinterpretationen in den Anforderungen, späte Produktbereitstellung.
Das Modell geht auf MIL-STD-498 zurück und findet in Hybriden mit Agile innerhalb der Phasen Verwendung.
RUP: Iteratives Framework
Rational Unified Process (RUP) ist ein anpassbares Framework mit zwei Dimensionen:
- Phasen: Inception, Elaboration, Construction, Transition.
- Disziplinen: Geschäftsmodellierung, Anforderungen, Analyse/Entwurf, Implementierung, Testen, Bereitstellung.
Schlüsselpraktiken:
- Iterative Entwicklung mit Fokus auf Risiken.
- Anforderungs- und Änderungsmanagement.
- Komponentenbasierte Architektur.
- Visuelle Modellierung (UML).
- Kontinuierliche Qualitätskontrolle.
Iterationen (2–6 Wochen) liefern Inkrementen. Vorteile: Ausgewogenheit von Disziplin und Flexibilität. Nachteile: Komplexität bei kleinen Projekten, erfordert Erfahrung. Es mündete in OpenUP und Agile Unified Process.
Agile-Methoden
Agile ist eine Familie iterativer Ansätze auf Basis des Agile Manifesto. Prinzipien:
- Funktionierende Software als primäres Fortschrittsmaß.
- Willkommen heißen sich wandelnder Anforderungen.
- Häufige Lieferungen (2 Wochen bis 2 Monate).
- Gespräche von Angesicht zu Angesicht.
- Motivierten Teams.
Frameworks umfassen:
- Organisation: Backlog, Meetings, Retrospektiven.
- Anforderungen: Priorisierung, Feedback.
- Engineering: CI/CD, TDD, Refactoring.
- Schätzung: Story Points.
Vorteile: Flexibilität, frühe Wertschöpfung, Team-Motivation. Nachteile: Chaosrisiko ohne Disziplin.
Wichtige Erkenntnisse
- ISO/IEC 12207 definiert Prozesse für jedes Modell, ideal für Verträge.
- GOST 34 gewährleistet die Abfolge bei automatisierten Systemen, relevant in Russland für Großprojekte.
- Waterfall für planbare Aufgaben, oft hybrid mit Agile.
- RUP balanciert Iterationen und Struktur durch UML und Risikomanagement.
- Agile dominiert die Produktentwicklung mit Fokus auf Wertschöpfung.
Die Auswahl des Modells hängt vom Kontext ab: Kritikalität, Größe, Volatilität der Anforderungen. Kenntnisse der Standards erlauben die Anpassung des Prozesses ans Projekt.
— Editorial Team
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