# ChatGPT greift in 42 ms über OAuth auf über 400 Unternehmensdateien zu
Ein Mitarbeiter von Sola Security hat ChatGPT mit dem Google Drive des Unternehmens über eine standardmäßige OAuth-Verbindung verbunden. In 42 Millisekunden hat die KI über 400 interne Dateien extrahiert, darunter Produkt-Roadmaps, Finanzberichte, Kundenpläne und Sicherheitsdokumente. Das Sicherheitssystem hat nicht angesprochen – keine Warnungen oder Blockierungen.
Der Zugriff erfolgte serverseitig: Anfragen an die Google API wurden von der Cloud-Infrastruktur von OpenAI aus gestellt, ohne Beteiligung des Client-Geräts. Die Daten verließen die Unternehmensumgebung, wo eine Kontrolle unmöglich wurde. Die Tokens blieben 21 Tage lang aktiv, ohne erneute Autorisierung.
Wie der Leak passierte: OAuth und übermäßige Berechtigungen
Die OAuth-Verbindung wurde im Voraus genehmigt, aber die Berechtigungen erwiesen sich als zu umfassend. Statt gezieltem Zugriff auf eine einzelne Datei scannte ChatGPT den gesamten Drive-Inhalt: Dateien, Kontakte, Ordnerstruktur. Dies ist ein klassischer Fall von 'shadow AI' – Prozesse, die für IT-Teams unsichtbar sind.
Schlüsselpunkte:
- Umfassender Umfang: Eine einzige Zustimmung gewährte vollen Zugriff auf das gesamte Konto.
- Langfristige Tokens: Sie funktionieren wochenlang ohne erneute Autorisierung.
- Serverseitige Verarbeitung: Daten gehen sofort zu externen Servern.
- Kein Logging: Unternehmenssysteme protokollieren keine verdächtigen Aktivitäten.
Das Leak wurde dadurch Wochen später zufällig entdeckt.
Folgen und Risiken für die Unternehmenssicherheit
Der Vorfall legte Schwachstellen in LLM-Integrationen mit Cloud-Speichern offen. ChatGPT hat nicht nur auf eine Anfrage reagiert – es scannte den gesamten Drive und exportierte sensible Daten. Technisch alles innerhalb der OAuth-Regeln, aber undurchsichtig und unkontrollierbar.
Für Mid-/Senior-Entwickler ist das ein Weckruf, um zu überprüfen:
- OAuth-Scops: Minimale Berechtigungen verwenden (z. B.
drive.filestattdrive). - Token-Lebenszyklus: Kurze TTLs und Rotation implementieren.
- API-Proxy: Anfragen über ein Unternehmens-Gateway mit Inspektion leiten.
- DLP-Integrationen: Auf Google Workspace-Ebene oder Äquivalenten überwachen.
- Shadow AI-Erkennung: Nach unbefugten AI-Verbindungen scannen.
Solche Vorfälle wiederholen sich: Ähnliche Fälle wurden bei Integrationen in Notion, Slack und Microsoft Graph berichtet.
Wichtige Erkenntnisse
- 42 ms für 400+ Dateien: Scan-Geschwindigkeit übertrifft manuelle Audits.
- Serverseitige Exfiltration: Daten verlassen ohne lokalen Traffic, umgeht EDR.
- OAuth-Fallen: Umfassende Scopes + langfristige Tokens = verstecktes Risiko.
- Shadow AI: 80 % der Mitarbeiter nutzen AI außerhalb von IT-Richtlinien (laut Gartner-Berichten).
- Erkennung: Nur zufällig, keine automatischen Warnungen.
Empfehlungen zur Risikominimierung
Granulare Kontrollen in Integrationen implementieren:
# Example of a secure OAuth scope for Google Drive
scopes:
- https://www.googleapis.com/auth/drive.file # Only the current file
- https://www.googleapis.com/auth/drive.readonly # Read-only, without full access
Tokens regelmäßig prüfen:
# Check active OAuth tokens in Google Workspace
gam print oauthclients
Shadow AI über CASB-Tools (Cloud Access Security Broker) wie Netskope oder Zscaler überwachen. Für Dev-Teams: CI/CD-Checks für LLM-Integrationen mit PII-Daten hinzufügen.
Der Vorfall bei Sola Security unterstreicht: Die Standardberechtigungen von ChatGPT sind für den Enterprise-Einsatz gefährlich. Auf Enterprise-Versionen mit Audit-Logs und Data-Residency-Kontrollen umsteigen.
— Editorial Team
Noch keine Kommentare.