Sieben Wochen Vibe-Coding mit Claude: Von der Idee zu einem funktionierenden RSS-Service
Der Journalist Thomas Claburn von The Register hat in sieben Wochen und 337 Commits mit Claude Code einen kommerziellen RSS-Service namens RSScal entwickelt. Entwicklungskosten: 40 $ für ein Claude-Abonnement plus 14 $ monatlich für VPS. Der Stack umfasst Docker, Python mit FastAPI, Celery, Redis, PostgreSQL über Supabase auf dem Backend und SvelteKit mit Tailwind CSS auf dem Frontend. Der Autor betont: Ohne grundlegende Erfahrung mit RSS-Apps wäre das Prompten des Modells wirkungslos gewesen.
Vibe-Coding als neuer Standard
Claburn, Coder seit den 1980er Jahren, baute zuvor RSS-Reader manuell: die Electron-App Vulture Feeds und ihre Überarbeitung RSSputin. Mit der Veröffentlichung von Anthropic Opus 4.5 und OpenAI Codex 5.2 Ende 2025 ist Vibe-Coding zur Routine geworden. Modelle erzeugen lauffähigen Code – unperfekt, unoptimiert, aber funktional.
Die größte Herausforderung: Das Modell ist bei der Generierung kompetent, aber bei Kontext hilflos. Claude hat Produktions- und Dev-Builds verwechselt, Rate Limiting vergessen, aber unerwartete Designlösungen vorgeschlagen. Entwickler müssen Vertrauen und Kontrolle balancieren.
Vergleich mit anderen Fällen
- Simon Willison hat per Vibe-Coding eine macOS-App für Präsentationen entwickelt.
- Sicherheitsforscher Michael Taggart: „AI hat funktioniert, aber der Prozess war gehasst.“
- Jim Nielsen scheiterte mit einem RSS-Reader: Generierung ist einfach, aber Feinschliff, Verteilung und Wartung – nein.
Diese Beispiele bestätigen: AI vereinfacht den Einstieg, löst aber keine operativen Aufgaben.
Erkenntnisse für Markt und Fähigkeiten
Marktimplikationen:
Ein SaaS-Konkurrent in einem Monat für 40 $ zu bauen, bedroht Template-Produkte und CodeCanyon-Freelancing. SaaSpocalypse ist real für Nischendienste.
Fähigkeitsentwicklung:
Die Behauptung „man lernt nichts mit AI“ ist ein Mythos. Claburn hat seine Docker-, Python- und SvelteKit-Fähigkeiten verbessert. Volle Delegation lässt Fähigkeiten verkümmern, aktives Vibe-Coding aber beschleunigt das Lernen.
Vergleich zu den 1970er Jahren: Profi-Entwickler reagieren wie akademische Musiker auf Punk – empört über fehlende Meisterschaft, doch das Ergebnis funktioniert.
Wichtige Punkte
- Vibe-Coding ist effektiv für Hobbyprojekte: 337 Commits in 7 Wochen mit einem Stack ohne Vorerfahrung.
- Modelle erzeugen lauffähigen Code, erfordern aber Grundwissen für Prompting und Fixes.
- Bedrohung für Template-SaaS und Freelancing; Nischendienste sind gefährdet.
- Fähigkeiten wachsen durch aktive Aufsicht; volle Automatisierung schadet.
- Erster Commit: 22. Februar 2026.
— Editorial Team
Noch keine Kommentare.