WinCC 7.5 Hot-Standby-Redundanz in Workgroup-Umgebung einrichten: Anleitung
Eine Keramikfabrik betreibt seit 2013 ein SCADA-System auf Siemens WinCC 7.0. Die Hardware basiert auf HP ProLiant DL380p Gen8-Servern mit Windows Server 2008R2 und S7-300/400-Steuerungen. Ziel: Upgrade auf WinCC 7.5 SP2 Update 15 unter Windows Server 2012R2 ohne neue Hardware, Einrichtung von Hot-Standby-Redundanz über zwei Server in Workgroup-Modus und nahtloser Failover auf der Client-Station.
Wir haben das System nach einem Zwischenupgrade auf zwei identische Server geklont. Ein dediziertes Backbone-Netzwerk (10.10.10.x) übernimmt den Heartbeat zwischen den Servern, während das Hauptnetzwerk (192.168.0.x) Daten-Synchronisation und PLC-Kommunikation handhabt. Der Client läuft mit WinCC Runtime Advanced und automatischer Serverumstellung.
Server- und Netzwerkkonfiguration
| Komponente | Server 1 | Server 2 | Client |
|------------|----------|----------|--------|
| Name | SCADASERVER1 | SCADASERVER2 | SCADACLIENT0 |
| BS | Windows Server 2012R2 | Windows Server 2012R2 | Windows Server 2012R2 |
| WinCC | 7.5 SP2 Upd15 | 7.5 SP2 Upd15 | 7.5 SP2 Upd15 (Client) |
| SQL | 2016 SP3 | 2016 SP3 | 2016 SP3 |
| Hauptnetzwerk | 192.168.0.1 | 192.168.0.2 | 192.168.0.3 |
| Backbone | 10.10.10.1 | 10.10.10.2 | — |
Das Backbone nutzt eine direkte Verbindung zur Überwachung des Partnerstatus, während Tags und Archive über das Hauptnetzwerk synchronisiert werden.
Schritt 1: SIMATIC Shell für Serverkommunikation
WinCC 7.5 deaktiviert Remote Communication standardmäßig. In der SIMATIC Shell aktivieren:
- Terminal Bus (Hauptnetzwerk 192.168.0.x) — für Clients und PLCs.
- Redundanz-Einstellungen (Backbone 10.10.10.x) — für Heartbeat.
IPs in Redundancy Editor und Shell zuweisen. Server erkennen sich gegenseitig, Status wird korrekt angezeigt.
Schritt 2: DCOM-Einrichtung in Workgroup
Beim Start des Runtimes der Fehler RedundancyAgent: Initialization of Remote Communication failed. Problem: DCOM im Workgroup-Modus erfordert manuelle Authentifizierung ohne Domain.
2.1. Dienste unter Administrator
Konto für CCRedundancyAgent-Service ändern:
services.mscöffnen.- Anmelden → Dieses Konto →
.\Administrator(identische Passwörter auf beiden Servern).
LocalSystem fehlt Netzwerkidentität für DCOM.
2.2. DCOM-Berechtigungen
dcomcnfg → Komponentendienste → Mein Computer → Eigenschaften:
COM-Sicherheit → Zugriffs Berechtigungen (Limits & Standard):
- Jeder: Local/Remote Zugriff Erlauben.
- ANONYMOUS LOGON: Local/Remote Zugriff Erlauben.
Start- und Aktivierungs Berechtigungen (Limits):
- Administratoren: alle Erlauben.
- Jeder: alle Erlauben.
- ANONYMOUS LOGON: alle Erlauben.
Start und Aktivierung (Standard):
- SYSTEM, Administratoren, Administrator: alle Erlauben.
ANONYMOUS LOGON ist nötig, um Verbindungen zu initiieren, gefolgt von Kontoprüfung.
2.3. Standardeigenschaften
- Distributed COM aktivieren: ✓
- Standard-Authentifizierungsstufe: Connect.
- Standard-Personalisierungsstufe: Identify.
2.4. LocalAccountTokenFilterPolicy
UAC filtert das lokale Administrator-Token. Deaktivieren:
New-ItemProperty -Path "HKLM:\\SOFTWARE\\Microsoft\\Windows\\CurrentVersion\\Policies\\System" `
-Name "LocalAccountTokenFilterPolicy" -Value 1 -PropertyType DWORD -Force
WinCC Runtime neu starten.
2.5. Hosts-Datei für Namensauflösung
DCOM basiert auf NetBIOS-Namen. Zu C:\\Windows\\System32\\drivers\\etc\\hosts auf beiden Servern hinzufügen:
10.10.10.1 SCADASERVER1
10.10.10.2 SCADASERVER2
192.168.0.1 SCADASERVER1
192.168.0.2 SCADASERVER2
NetBIOS über TCP/IP auf Hauptnetzwerk-Adaptern deaktivieren (auf Backbone aktiviert lassen).
Schritt 3: WinCC Redundancy Editor
Redundanzprojekt erstellen:
- Neues Projekt auf Server1.
- Redundancy Editor → Server hinzufügen → SCADASERVER2 angeben.
- Verbindungsparameter: Heartbeat-Timeout 5s, Umschaltverzögerung 10s.
- Runtime auf Server2 synchronisieren (Server1 als Primär).
Tags, Archive und Skripte replizieren automatisch. Status prüfen: Master/Standby.
Schritt 4: Client-Konfiguration
Auf SCADACLIENT0:
- WinCC Runtime Advanced installieren.
- Beide Server zum Projekt hinzufügen.
- Runtime → Automatische Serverauswahl: Priorität Server1, Fallback Server2.
Failover getestet: Server1 abschalten wechselt Client in 15 Sekunden zu Server2 ohne Datenverlust.
Schritt 5: Produktive Einführung
Nach Labortests in der Fabrik ausgerollt. Vor jeder Änderung Backups. Synchronisation mit Live-PLCs reibungslos. WinCC_Sys_XX.log-Logs genau überwachen.
Wichtige Erkenntnisse:
- Im Workgroup-Modus ist DCOM der Engpass: 80% der Zeit für Berechtigungen und Tokens.
- Backbone essenziell für Heartbeat, nicht für Daten.
- Hosts-Datei + NetBIOS-Anpassungen lösen 90% der Namensauflösungsprobleme.
- Failover im Labor mit echten PLCs testen.
- Alle Änderungen synchron auf beiden Servern anwenden.
Gesamtaufwand: 2 Wochen Labor, 3 Tage Produktion. Migrationskosten unter Domain-Einrichtung.
— Editorial Team
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