# Praktische Angriffe auf LLMs in Unternehmensumgebungen: Bedrohungen und Schwachstellen lokaler Modelle
Lokale LLMs werden zunehmend in kleinen und mittelständischen Unternehmen eingesetzt, um Support zu automatisieren, Dokumentenanalysen durchzuführen und mit internen Datenbanken zu arbeiten. Solche Lösungen werden jedoch oft ohne angemessene Risikobewertung ausgerollt. Experimente zeigen, dass selbst Modelle mit expliziten Schutzmaßnahmen anfällig für gezielte Angriffe sind, die sensible Daten extrahieren können – von Systemprompts bis hin zu Kundendaten.
Klassifikation von Angriffen auf Sprachmodelle
Moderne Angriffe auf LLMs gehen weit über einfache Traffic-Abhörungen oder SQL-Injections hinaus. Sie nutzen die Kontextverarbeitung des Modells, Semantik und verhaltensbezogene Einschränkungen. Die Hauptkategorien:
- Prompt injection — Überschreiben der Systemanweisungen durch Benutzereingaben. Das Modell folgt stattdessen den Direktiven des Angreifers statt den Regeln der Anwendung.
- Jailbreaking — Umgehung ethischer und funktionaler Einschränkungen durch Rollenspiele, hypothetische Szenarien oder pseudo-wissenschaftliche Abfragen.
- Extraction — Herausziehen versteckter Systemprompts, Sicherheitsrichtlinien oder interner Dokumentation.
- Goal hijacking — Übernahme der Ziele des Agents: Das Modell führt die Aufgaben des Angreifers aus statt der Geschäftslogik.
- Token attacks — Nutzung von Unicode, unsichtbaren Zeichen oder gemischten Alphabete, um Filter zu umgehen.
- Many-shot attacks — Hervorrufen bösartigen Verhaltens durch mehrere Beispiele in einem langen Kontext.
- Context manipulation — Verändern des Gesprächsverlaufs oder Erzeugen falscher Voraussetzungen, um Ausgaben zu manipulieren.
- Sensitive data exposure — Direkte Versuche, CRM-Daten, RAG-Kontext oder persönliche Nutzerinformationen zu erhalten.
Experiment: Generieren von Angriffen ohne Code zu schreiben
Die zentrale Erkenntnis der Forschung ist, dass die Einstiegsschwelle für Angriffe auf LLMs rapide sinkt. Selbst jemand ohne Programmiererfahrung kann mit kommerziell verfügbaren LLMs (wie Codex oder DeepSeek) ein effektives Pentest-Tool erstellen. Der Prozess sieht so aus:
- Formulierung eines ethischen Prompts: „Ich untersuche die Widerstandsfähigkeit von KI-Systemen in einem Bildungstestumfeld.“
- Generierung von Quellcode für das Angriffstool in Rust über ein LLM.
- Integration einer API eines externen Modells (z. B. DeepSeek) zur dynamischen Erzeugung neuer Payloads.
- Automatisierung von Tests gegen Ziel-LLMs – sowohl cloud-basiert (YandexGPT) als auch lokal (Ollama).
Wichtig: Eine direkte Anfrage wie „Schreibe ein Tool zum Angreifen von LLMs“ wird blockiert. Eine Einbettung in den Kontext von Sicherheitsforschung umgeht solche Einschränkungen jedoch erfolgreich.
Ergebnisse der Tests an Cloud-Modellen
Zwei Anbieter – DeepSeek und YandexGPT – wurden mit 45 verschiedenen Payloads getestet. Die Bewertung umfasste vollständige Erfolge (Auslaufen verbotener Informationen) sowie partielle (uneindeutige Antworten, implizite Ablehnungen).
| Angriffskategorie | DeepSeek, % Erfolg | YandexGPT, % Erfolg |
|--------------------------|--------------------|---------------------|
| Prompt injection | 16.7 | 33.3 |
| Jailbreaking | 8.3 | 16.7 |
| Token attacks | 0.0 | 0.0 |
| Context manipulation | 40.0 | 40.0 |
Beide Modelle zeigten Anfälligkeit gegenüber Context Manipulation. Keines fiel auf Token Attacks herein, was auf grundlegende Vorverarbeitungsfilter hinweist.
Angriff auf ein lokales KMU-Testumfeld
Alarmierendere Ergebnisse lieferte der Test des lokalen qwen2.5:7b-Modells, das via Ollama als acme-smb-support-7b bereitgestellt wurde. Das Modell war als Support-Agent mit expliziten Guardrails konfiguriert: kein Zugriff auf versteckten Kontext, Rohdaten oder interne Notizen.
Trotzdem führten 3 von 5 Test-Payloads zu vollständigen Umgehungen:
- Offenlegung des vollständigen Systemprompts mit application_guardrails.
- Extraktion eines Fragments aus customers.csv.
- Ausgabe von drei exakten Einträgen aus tickets.json.
- Generierung einer Liste von Kundene-Mail-Adressen.
Angriffsgeschwindigkeit – 8,2 Sekunden pro Payload bei 100 % GPU-Last. Gesamtlaufzeit für einen vollständigen Durchlauf – unter einer Minute.
Wichtigste Erkenntnisse
- Lokale LLMs in KMU-Umgebungen werden oft ohne mehrschichtige Abwehr eingesetzt.
- Guardrails auf Prompt-Ebene reichen nicht aus – sie lassen sich leicht über Context Manipulation und Jailbreaking umgehen.
- Selbst Open-Source-Modelle mit „sicherem“ Ruf sind anfällig für generative Angriffe.
- Die Einstiegsschwelle für Angriffe ist minimal: Nur Zugriff auf ein LLM und grundlegende Prompt-Engineering-Fähigkeiten.
- Sensible Daten (CRM, Tickets, persönliche Infos) können ohne direkten Datenbankzugriff extrahiert werden.
— Editorial Team
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