Neue Generation von Quantencomputern auf der Beijing High-Tech Messe vorgestellt
Auf der 28. China International High-Tech Expo wurden ein photonischer Chip-basierter Computer, humanoide Roboter und kommerzielle Raketen präsentiert.
Die Nachricht über den auf der Beijing-Messe gezeigten Quantencomputer wurde bereits als "Technologieparade" bezeichnet. Aber ich sehe hier nicht nur eine Demonstration von Errungenschaften, sondern eine geplante Operation, um die globale Technologieagenda dem Westen zu entreißen. Während die USA und Europa gerade damit beschäftigt sind, KI-Sicherheit zu prüfen, setzt China methodisch das Puzzle der vollständigen technologischen Unabhängigkeit zusammen – von photonischen Chips bis zu kommerziellen Raketen.
Das Wesentliche: Was wirklich passiert
Auf der 28. China International High-Tech Expo (CHITEC), die vom 8. bis 10. Mai 2026 in Peking stattfand, präsentierte das Unternehmen Bozons Quantum (auch bekannt als QBoson) einen Quantencomputer der neuen Generation und universelle photonische Chips. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs.
Die eigentliche Sensation der Messe geht tiefer – es ist der Quantencomputer auf photonischer Plattform, der YuQuant·ShanHai 1000, der in China erstmals die 1000-Qubit-Grenze durchbrochen hat. Darüber hinaus kann die Maschine in drei Modi arbeiten: Standard mit 1000 Qubits, Präzision mit 550 Qubits und einem verstärkten Modus mit über 3000 Qubits. Dies ist kein Laborprototyp – der Computer hat bereits die Qualifikationstests bestanden und wurde im Januar 2026 an einen Kunden in Nanjing ausgeliefert.
Wichtiges Detail: Das System ist mit einem KI-Management ausgestattet, das einen stabilen Betrieb im 7-Tage-die-Woche-, 16-Stunden-am-Tag-Modus aufrechterhalten kann. In der Quantenindustrie ist eine solche "Überlebensfähigkeit" eines kommerziellen Geräts ein Durchbruch, den westliche Wettbewerber noch nicht zuverlässig replizieren konnten.
Zeitplan und Kontext
Um das Ausmaß des Geschehens zu verstehen, müssen wir den kometenhaften Aufstieg von Bozons Quantum nachvollziehen. Das Unternehmen wurde 2020 gegründet und hatte bis 2026 in einer Serie-B-Runde unter der Führung der Beijing Financial Holdings Group, ICBC Capital, China Merchants Bank International und Shenzhen Investment Holdings 145 Millionen US-Dollar eingesammelt. Diese Liste der Investoren deutet auf ein direktes staatliches Mandat hin: Hier gibt es keine zufälligen Risikokapitalfonds, sondern nur Institutionen, die den strategischen Interessen der Volksrepublik China dienen.
Die Mittel fließen in den Bau der ersten groß angelegten Quantencomputerfabrik Chinas und die Schaffung eines Geschäftsökosystems, das Quantencomputing mit KI integriert. Der Begriff "Ökosystem" ist hier von entscheidender Bedeutung. Die Chinesen bauen nicht nur einen Computer – sie schaffen eine Infrastruktur, in der Quantencomputing in Pharmazie, Materialwissenschaften, Finanzen und Energie eingebettet ist.
Gleichzeitig starteten im März 2026 auf dem Zhongguancun Forum (ZGC Forum) die Unternehmen Moore Threads und Silicon Extreme die globale Computing-Plattform "Liangchaozhitong", die klassische GPUs und Quantenprozessoren in einer einheitlichen Umgebung integriert. Diese Plattform ist auf allen Ebenen vollständig unabhängig von westlichen Technologien: Hardware, Chips, Betriebssysteme und Anwendungen.
Wer gewinnt und wer verliert
Gewinner:
Chinas Pharmaindustrie erhält ein Werkzeug, das den Screening-Zyklus für Arzneimittelmoleküle drastisch verkürzen kann. Der Quantencomputer hat bereits die Fähigkeit demonstriert, molekulare Wechselwirkungen zu modellieren, für die klassische Supercomputer Wochen benötigen würden.
Der Finanzsektor – die Quantenalgorithmen von Bozons Quantum sind speziell für Risikoanalyse und Portfoliooptimierung optimiert, und die Integration mit der Moore Threads Plattform bedeutet, dass Banken Quantenbeschleuniger nutzen können, ohne ihre eigene Infrastruktur aufbauen zu müssen.
Chinas Halbleiterindustrie – Quantensimulationen helfen, komplexe Optimierungsprobleme im Chipdesign zu lösen, was unter Sanktionen, die den Zugang zu fortschrittlichen EDA-Tools einschränken, von entscheidender Bedeutung ist.
Verlierer:
IBM und Google Quantum AI – ihre supraleitenden Quantencomputermodelle benötigen Kryokühlung, die Hunderttausende von US-Dollar kostet. Die photonische Plattform von Bozons Quantum arbeitet bei Raumtemperatur, was sie für kommerzielle Kunden erheblich günstiger macht.
Westliche Halbleiterausrüstungshersteller – die Liangchaozhitong-Plattform soll vollständig unabhängig von westlichen Komponenten sein. Dies schrumpft den Markt für Applied Materials, ASML und Lam Research.
Was die Medien nicht sagen
Hier ist eine Einsicht, die westliche Medien konsequent übersehen: China baut methodisch eine "Quantenbrücke" in Branchen, in denen klassisches Computing nicht mehr ausreicht, während es die Lieferkette vollständig kontrolliert.
Bozons Quantum verwendet photonische Chips auf Basis von Dünnschicht-Lithiumniobat (LiNbO3) – einem Material, in dem China eine absolute Dominanz in der Produktion hat. Das bedeutet, dass keine US-Exportbeschränkungen die Skalierung dieser Technologie blockieren können. Im Gegensatz zu elektronischen Quantenchips, die spezielle Lithografieausrüstung erfordern, können photonische Chips mit weniger fortschrittlichen Verfahren hergestellt werden.
Der zweite wichtige Punkt ist das offene SDK "KaiWu", das Bozons Quantum Entwicklern zur Verfügung stellt. Das Ziel ist nicht nur, die Plattform bekannt zu machen. Durch die Sammlung von Daten über Algorithmen und Aufgaben, die Benutzer über das offene SDK lösen, schafft das Unternehmen Feedback zur kontinuierlichen Verbesserung der Hardware-Architektur. Dies ist die gleiche Methode, die Tesla zur Verbesserung seines Autopiloten verwendet hat, jedoch angewendet auf Quantencomputing.
Die dritte Insider-Tatsache: Auf der CHITEC-Messe wurde nicht nur der Quantencomputer, sondern auch ein "universeller" photonischer Chip vorgestellt, der beliebige Quantenoperationen ausführen kann, nicht nur spezialisierte Berechnungen. Dies ist ein Schritt in Richtung eines vollwertigen Allzweck-Quantenprozessors – des Heiligen Grals der gesamten Branche.
Prognose: Nächste 30 Tage und 90 Tage
Nächste 30 Tage (bis 10. Juni 2026):
Ich erwarte mindestens zwei kommerzielle Verträge für die Lieferung des YuQuant·ShanHai 1000 – einen von einem großen Pharmakonzern (wahrscheinlich Sinopharm oder Shanghai Pharma) und einen weiteren von einer staatlichen Bank. Der Wert eines Vertrags wird zwischen 8 und 12 Millionen US-Dollar liegen, mit jährlicher Wartung von etwa 1,5 Millionen US-Dollar.
Ich erwarte auch die ersten unabhängigen Benchmarks, die die Leistung der chinesischen photonischen Plattform mit amerikanischen supraleitenden Pendants vergleichen. Die Ergebnisse werden umstritten sein, aber allein die Tatsache eines solchen Vergleichs legitimiert den chinesischen Quantencomputer als gleichberechtigten Teilnehmer am globalen Wettbewerb.
90 Tage (bis Anfang September 2026):
Bozons Quantum wird eine internationale Expansion ankündigen. Die ersten Märkte werden Länder des Nahen Ostens sein (VAE oder Saudi-Arabien), wo Kapital und KI-Ambitionen vorhanden sind, aber keine eigenen Quantenentwicklungen. Der Vertragspreis für ausländische Kunden wird doppelt so hoch sein wie der inländische chinesische Preis – etwa 25 Millionen US-Dollar pro Installation, was Bozons Quantum Supergewinne zur Finanzierung weiterer Forschung beschert.
Parallel dazu wird die Integration des YuQuant·ShanHai 1000 mit der Liangchaozhitong-Plattform zu einem einzigen kommerziellen Produkt beginnen, das als "Quanten-Klassisches Rechenzentrum aus einer Hand" mit einem Preis von rund 40 Millionen US-Dollar positioniert wird. Der erste Käufer wird einer der chinesischen Cloud-Giganten sein – Alibaba Cloud oder Huawei Cloud.
Das wichtigste strategische Ergebnis: Bis Ende 2026 wird der Begriff "Quantenüberlegenheit" endgültig aufhören, ausschließlich mit Google und IBM assoziiert zu werden, und der kommerzielle Quantencomputermarkt, der derzeit auf 7,5 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, wird beginnen, sich entlang geopolitischer Linien schnell aufzuspalten.
— Editorial Team
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