Südkorea testet leistungsstarkes Cheongwang-Lasersystem zur Drohnenabwehr
Die südkoreanische Beschaffungsbehörde für Verteidigungsgüter (DAPA) hat die erfolgreiche Entwicklung eines heimischen Lasergenerators für das Cheongwang-Block-I-System bekannt gegeben. Die Abfangzeit für Drohnen sank von 2–4 Sekunden auf 1–2 Sekunden und katapultiert das Land in den exklusiven Kreis der Hersteller solcher Waffensysteme.
Cheongwang-Laser: Warum Südkorea Fünfter wurde, aber kein Vorreiter ist
Die Nachricht ging um die Welt: Südkorea hat einen eigenen Lasergenerator für das Cheongwang-System („Himmlisches Licht“) entwickelt. Die Abfangzeit für Drohnen verkürzte sich von 2–4 auf 1–2 Sekunden. Damit gehört das Land zu den fünf Nationen, die eigenständig Kampf-Laser herstellen können – neben den USA, Israel, China und Deutschland.
Klingt nach einem Triumph koreanischer Ingenieurskunst. Ein 20-Kilowatt-Faserlaser, Schusskosten von nur 1,50 Dollar, Lokalisierungsgrad von 76 auf 90 Prozent. Seit Dezember 2024 schützt das System den Himmel über Seoul, auch rund um den Präsidentenpalast in Yongsan.
Doch als Analyst für Verteidigungstechnologien und Directed-Energy-Waffen sehe ich die Geschichte, die in Pressemitteilungen nicht steht. Was Südkorea gerade erreicht hat, ist kein technologischer Durchbruch, der das Kräfteverhältnis verschiebt. Es ist der Abschluss eines Aufholprogramms, das fünf Jahre zu spät kommt und die Bedrohung von gestern adressiert. Hier die Gründe.
[Der Kern]: Was wirklich passiert
Die erfolgreiche Lokalisierung des Lasergenerators für Cheongwang ist zweifellos eine ingenieurtechnische Leistung. Doch die Zahlen zeigen ein nüchternes Bild. Das Block-I-System ist ein 20-Kilowatt-Laser, der kleine Drohnen auf 2–3 Kilometern Entfernung bekämpfen kann. Das reicht gegen Hobby-Quadrokopter oder kleine Aufklärungsdrohnen – aber nicht gegen Schwärme, Shahed-ähnliche Kamikazedrohnen oder Marschflugkörper.
Der entscheidende Insider-Hinweis: Der erste Einsatz erfolgte im Dezember 2024. Auslöser war der Zwischenfall im Dezember 2022, als fünf nordkoreanische Drohnen ungehindert über Seoul flogen und eine sogar die Sperrzone um den Präsidentenpalast verletzte.
Südkorea brauchte zwei Jahre für die Stationierung und weitere anderthalb Jahre für die Lokalisierung der Schlüsselkomponente. In dieser Zeit hat sich die Drohnentechnik weiterentwickelt. Nordkorea hat bereits Schwarmangriffe demonstriert. Russische Geran-2-Drohnen in der Ukraine zeigten, dass selbst primitive UAVs durch schiere Masse Luftabwehr durchbrechen können. Ein 20-Kilowatt-Laser, der 1–2 Sekunden pro Drohne braucht, wird von einem Schwarm aus 50 Zielen schlicht überfordert.
Das ist die verborgene Wahrheit: Cheongwang Block I löst die Bedrohung von gestern. Das koreanische Militär weiß das – deshalb wurde bereits das Block-II-Programm mit höherer Leistung und kleinerer Bauform angekündigt, und Block III soll einen 100-Kilowatt-Laser für ballistische Raketen und Flugzeuge erhalten. Doch bis diese Systeme einsatzbereit sind – in 3–5 Jahren –, werden die Bedrohungen erneut fortgeschritten sein.
Zeitstrahl und Hintergrund
Dezember 2022: Fünf nordkoreanische Drohnen überqueren die Grenze, eine dringt in die Sperrzone um den Präsidentenpalast in Seoul ein. Südkoreanische Kräfte scheitern mit Hubschraubern und Kampfflugzeugen am Abschuss. Die Drohnen kehren unbeschadet zurück. Diese Demütigung offenbart eine fatale Lücke in der Luftabwehr: Seoul fehlt ein kostengünstiges Mittel gegen kleine Ziele.
Juni 2023: DAPA beschleunigt das Cheongwang-Programm und lässt die Lokalisierung des Generators parallel zur Systementwicklung laufen – ein unkonventioneller, riskanter Schritt.
April 2023: Prototypentests zeigen 100 % Trefferquote gegen die vorgesehenen Ziele.
Juni 2024: Hanwha Aerospace erhält einen Produktionsauftrag über 100 Milliarden Won (ca. 72 Millionen Dollar).
Dezember 2024: Cheongwang Block I geht in den Gefechtsdienst. Südkorea wird damit weltweit erstes Land, das einen Kampf-Laser bei Truppen stationiert – noch vor den USA.
Ende Mai 2026: DAPA meldet den erfolgreichen Bau eines heimischen Lasergenerators. Die Leistung stieg um mehr als 50 % gegenüber dem importierten Modell.
1. Juni 2026: Die Meldung geht um die Welt. Südkorea gilt als fünftes Land mit eigenständiger Produktion von Kampf-Lasern.
Was an diesem Zeitstrahl auffällt: Zweieinhalb Jahre vom Zwischenfall bis zur Stationierung, dreieinhalb Jahre bis zur vollständigen Lokalisierung. In dieser Zeit hat sich der potenzielle Gegner angepasst.
Gewinner und Verlierer
Hauptgewinner: Hanwha Systems und Hanwha Aerospace. Der Konzern sicherte sich nicht nur den Produktionsauftrag, sondern auch den Status als Entwickler des heimischen Lasergenerators. Die neuen Kompetenzen bleiben zwar exportbeschränkt, machen Hanwha aber zum unverzichtbaren Partner für künftige Programme.
Zweitgewinner: Das südkoreanische Militär – allerdings nur kurzfristig. Es erhält endlich ein wirtschaftliches Mittel gegen einzelne Eindringlingsdrohnen. Die Kosten pro Schuss liegen bei etwa 1,50 Dollar statt Zehntausenden für eine Flugabwehrrakete.
Drittgewinner: Israel und die USA. Beide verfügen über weiter entwickelte Programme, die noch nicht großflächig im Einsatz sind. Die koreanischen Erfahrungen liefern ihnen wertvolle Daten zum Realbetrieb unter Hitze, Kälte, Regen und Nebel.
Hauptverlierer: Alle, die glauben, Cheongwang löse das Drohnenproblem. Ein 20-Kilowatt-Laser wirkt gegen einzelne kleine UAVs. Moderne Schlachtfelder kennen jedoch Schwärme. Russische Lancet- und iranische Shahed-Drohnen fliegen in Gruppen von 10–20. Laser sind zudem wetteranfällig.
Was die Medien verschweigen
Drei Insider-Fakten ändern die Wahrnehmung der Nachricht:
Insider #1: Die parallele Entwicklung des Generators war kein innovativer Ansatz, sondern Zeichen des Aufholens. Die ursprünglichen importierten Komponenten waren unzureichend.
Insider #2: 90 % Lokalisierung klingt gut – die fehlenden 10 % sind jedoch die kritischsten Hochtechnologie-Bauteile (Optiken, Kristalle, Beschichtungen).
Insider #3: Das Aufklärungs- und Zielverfolgungsproblem bleibt unerwähnt. Die reine Abfangzeit von 1–2 Sekunden sagt nichts über die oft wesentlich längere Detektions- und Verfolgungszeit in urbanem Umfeld aus.
Ausblick: Nächste 30 und 90 Tage
Nächste 30 Tage: Exportanfragen aus den VAE, Saudi-Arabien, Polen und dem Baltikum werden eintreffen – und aufgrund strenger Exportkontrollen größtenteils abgelehnt werden.
Nächste 90 Tage: Nordkorea wird mit modifizierten Drohnen (kleiner, mit thermischer Beschichtung, in Schwärmen) reagieren.
In 12 Monaten: Entweder beweist Cheongwang Block I seine Wirksamkeit im Ernstfall – oder Schwächen werden sichtbar und das Vertrauen in Laserwaffen insgesamt leidet.
Langfristig (5 Jahre): Südkorea bleibt im „Elite-Club“, wird aber weder die USA noch China überholen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, eine wirksame Einsatzdoktrin für mobile Laser zu entwickeln.
Ich habe Ihnen die Insider-Perspektive gegeben. Nun wissen Sie: Der Beitritt zum Club ist kein Ziel, sondern der Beginn eines Rennens, in dem Korea weiterhin aufholt.
— Editorial Team
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