# ZX Spectrum als Steuerung für Farbphotoabzüge: Technische Aufschlüsselung eines DIY-Projekts
Ende der 1990er Jahre, als professionelle Fotovergrößerer mit Farbmischköpfen so teuer waren wie ein Kleinwagen, fand ein Enthusiast eine unkonventionelle Lösung für günstigen Farbabdruck – er verwandelte ein ZX Spectrum in einen Steuercomputer für die additive Methode. Wir zerlegen die Systemarchitektur, die Softwareumsetzung und die Projektbeschränkungen.
Warum der additive Abzug?
Farbphotoabzüge in der analogen Ära basierten auf zwei Methoden: subtraktiver und additiver. Die subtraktive Methode brauchte teure Ausrüstung – einen Vergrößerer mit Tablett für Farbkorrekturfilter (Gelb, Cyan, Magenta) oder einen Farbmischkopf. Die Filterdichte bestimmte das Farbgleichgewicht (z. B. 30-10-00 für 30 % Gelb- und 10 % Cyanfilter). Allerdings ergaben sich dadurch weniger lebendige Farben wegen unvollständiger Filterdichte und es wurde eine kalibrierte Lichtquelle benötigt.
Die additive Methode ist gerätebedingt einfacher (nur Standardvergrößerer und Glühlampe), aber schwieriger in der Ausführung: Dreifachbelichtung durch Rot-, Blau- und Grünfilter mit variierenden Zeiten. Farbkorrektur erfolgte durch Anpassung der Belichtungszeiten pro Filter. Der Haken? Manuelles Umrechnen der Zeiten auf Zehntelsekunden war unpraktisch, und der Filterwechsel im Dunkeln barg das Risiko einer Papierverlagerung.
Systemarchitektur: Vom Videosignal zur Lampensteuerung
Der Autor nutzte das ZX Spectrum als Gehirn des Systems. Der Videoausgang des Computers lieferte drei Farbsignale (5V), die so genutzt wurden:
- Rotes Signal steuerte die Lampe des Fotovergrößerers über galvanische Trennung und einen Thyristor. Ein Logikhoch (roter Raster auf dem Bildschirm) zündete die Lampe für die Belichtung.
- Blaues Signal trieb die Drehung des Filterkarussells an. Ein Motor aus einem Kinderspielzeug, improvisiert mit Schrottteilen, übernahm das. Der Drehwinkel wurde durch die Signaldauer bestimmt.
- Grünes Signal löschte das Dunkelkammersicherheitslicht zu Zyklusbeginn, um eine Nebelung des Papiers zu verhindern.
Der Systemstart erfolgte per Leertaste. Der Computer führte dann aus:
- Belichtung durch den ersten Filter (für eine feste Zeit)
- Drehung des Karussells
- Belichtung durch den zweiten Filter
- Und so weiter
Nach der Belichtung leitete er die Entwicklung mit Audio-Pieptönen für die Umfüllungen in die Tabletten (vier Stufen, inklusive Spülgänge).
Softwareumsetzung: Timing und Farbkorrektur
Das Sinclair BASIC-Programm meisterte zwei Kernherausforderungen: präzises Belichtungs-Timing und Farbkorrektur mit unperfekter Hardware.
Die erste Version sah so aus:
10 BORDER 0: PAPER 0: INK 7
20 PRINT "START? (Y/N)";
30 IF INKEY$="Y" THEN GOTO 50
40 GOTO 30
50 REM Exposure cherez red filter
60 REM Turn on lamp (red signal)
70 REM Delay on time T1
80 REM Carousel rotation (blue signal)
90 REM Exposure cherez green filter (T2)
100 REM ... and t.d.
Die größte Hürde war die Timing-Präzision. Ohne High-Res-Hardwaretimer setzte es auf Verzögerungsschleifen. Für Anpassungen in der Dunkelkammer fügte der Autor Tastatursteuerungen hinzu: Eine Taste erhöhte die Belichtungszeit um eine Stufe, eine andere senkte sie. Echtzeit-Farbkorrekturen ohne Neustart.
Ergebnisse und Einschränkungen
Frühe Tests auf abgelaufenem Fototsvet-4-Papier lieferten dunkle, aber erkennbare Bilder. Feinabgestimmte Farbkorrektur hob die Qualität auf brauchbar – allerdings weit entfernt von Profiniveau.
Wichtigste Einschränkungen:
- Grobe Genauigkeit der Karusseldrehung (DIY-Mechanik)
- Abhängigkeit von Frische von Papier und Chemie
- Keine Autokalibrierung für unterschiedliche Materialien
Das Projekt endete 2001 während des Passaustauschs in Russland – der Autor wechselte zur Schwarz-Weiß-Fotografie, die größere Nachfrage fand.
Was zählt
- Additiver Abzug erfordert mehrere getimte Belichtungen, ohne Automatisierung unmöglich.
- ZX Spectrum als günstiger Controller dank Videosignalen und simpler Programmierung.
- Echtzeit-Farbkorrektur per Tastatur gleicht Macken der analogen Hardware aus.
- DIY taugt zum Herumprobieren, nicht zur Produktion.
— Editorial Team
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