Agenten erwachen: LG und Samsung füllen Häuser mit „denkenden“ Geräten
Ein Kühlschrank mit Google Gemini lagert nicht länger nur Lebensmittel – er verfolgt Vorräte, und LG-Fernseher haben jetzt eine eigene „Vision“, um das Bild spontan anzupassen. Samsung geht noch weiter und verwandelt das Heim-Ökosystem in einen proaktiven Partner, der Gesundheitsprobleme vorhersieht.
Ein Kühlschrank mit Gemini und ein Fernseher, der auf Ihre Taille achtet: Wie LG und Samsung das Zuhause in einen denkenden Organismus verwandeln
Vor sieben Jahren stellte Samsung den ersten Family Hub vor – und alle lachten über einen Kühlschrank mit Bildschirm. Im Januar 2026 auf der CES in Las Vegas hörte das Lachen auf. Der neue Bespoke AI Family Hub erkennt Lebensmittel durch seine Kamera, bestellt fehlende Zutaten, empfiehlt Rezepte per Sprachbefehl „Was gibt's heute?“ und öffnet auf Wunsch die Tür. Unter der Haube steckt Google Gemini, was ihn nicht nur zu einem Gadget, sondern zu einem vollwertigen Küchenassistenten macht, der Familienmitglieder an der Stimme unterscheidet und Empfehlungen auf jeden zuschneidet.
Unterdessen startete LG eine Offensive unter dem Motto „Zero Labor Home“. LG Electronics CEO Cho Joo-wan betrat die Bühne mit der These: KI bewegt sich vom „Verstehen und Konversation“ zum „echten Handeln“. Ihr Agent FURON lernt Gewohnheiten, verwaltet das Raumklima und sagt sogar zwei Stunden im Voraus voraus, wann die Kühlschranktür geöffnet wird, um proaktiv die Temperatur zu senken. Der Kampf um die Küche ist in eine heiße Phase eingetreten – und Sprachmodelle sind die Waffen.
Eine Stimme, die Sie am Gesicht erkennt: Was nach Las Vegas kam
Samsung setzt auf totale Personalisierung. Die neue Bespoke AI Family Hub-Reihe läuft auf Google Gemini und erkennt Lebensmittel ohne manuelle Registrierung – die Kamera identifiziert Artikel in Echtzeit, während Sie sie ins Regal legen oder herausnehmen. Die Auto Door-Funktion öffnet die Tür per Sprachbefehl, und Voice ID unterscheidet Familienmitglieder, zeigt jedem seinen eigenen Kalender, seine Playlist und sogar Gesundheitsdaten.
Die eigentliche Überraschung steckt jedoch in den Fernsehern. Samsung stellte Visual AI Companion (VAC) vor, ein System, das Filme mit Ihnen ansieht und Rezepte für auf dem Bildschirm gesehene Gerichte vorschlägt. Eine Restaurantszene? Der Fernseher fragt, ob Sie das Gleiche kochen möchten. Darüber hinaus gleicht VAC Empfehlungen mit Ihren Fitnesszielen ab. Der Technikjournalist Nick Wood brachte es auf den Punkt: „Samsung behauptet, VAC könne Rezepte für Gerichte extrahieren, die Zuschauer im Fernsehen sehen.“
LG konterte mit dem Roboter CLOiD – einem Haushaltsandroiden mit zwei Armen und fünf Fingerhänden, der Wäsche faltet und Geschirr wegräumt. Dies ist das erste Mal, dass das Unternehmen einen funktionierenden Prototypen im Verbrauchersegment zeigt. CLOiD basiert auf dem eigenen AXIUM-Antrieb und läuft auf dem System „Affectionate Intelligence“ – ein pompöser Name für KI, die Emotionen liest und das Verhalten anpasst.
ThinQ On: Das Gehirn, das in 10.000 Wohnungen leben wird
Während Samsung sich auf einzelne Geräte konzentriert, baut LG ein Ökosystem um den ThinQ On-Hub auf. Diese Kugel mit Lautsprecher ist nicht nur ein Sprachassistent-Lautsprecher. Sie versteht Kontext, merkt sich Lebensmuster und steuert alle Haushaltsgeräte über natürliche Sprache.
Der Befehl „Schalte die Klimaanlage aus, starte den Saugroboter und schalte in einer Stunde den Luftentfeuchter ein“ ist kein Demoskript, sondern ein reales Szenario. ThinQ On führt Befehlsketten aus, unterscheidet Räume („schalte das Licht im Schlafzimmer aus“) und integriert sich in die Infrastruktur von Wohnanlagen.
Im März 2026 gab LG Zahlen bekannt: ThinQ On arbeitet bereits in 10.000 Wohnungen der Marke The Sharp von Posco E&C. Weitere 300.000 Haushalte nutzen den Dienst „Our Complex“ – er ruft den Aufzug, prüft Parkplätze, verwaltet Heizung und Lüftung, zeigt ein Besucherlogbuch und bucht Gemeinschaftsbereiche. Alles per Sprache, ohne App.
Noh Bum-joon, Leiter der HS AI Home Solution-Entwicklung bei LG, nannte dies „ein optimales Raumerlebnis“ und erklärte, dass das Unternehmen den Eintritt in den B2B-Baumarkt beschleunigt. Die Wette ist klar: Bauträger erhalten nicht nur Einbaugeräte, sondern eine fertige intelligente Umgebung, die Bewohner ab der Haustür per Sprache aktivieren.
Samsung webt Gesundheit in das Ökosystem ein
Wenn LG über Bauträger in den B2B-Markt geht, bahnt Samsung den Weg über die Gesundheit. Auf der CES 2026 kündigte das Unternehmen an, dass alle Galaxy-Geräte und Haushaltsgeräte zu einem einzigen „KI-Begleiter für den Alltag“ vereint werden. Roh Tae-moon, Präsident der DX-Sparte von Samsung, versprach, KI in alles zu integrieren – von Smartphones bis zu Waschmaschinen.
Der entscheidende Schwerpunkt ist die prädiktive Gesundheit. Der Family Hub-Kühlschrank erstellt jetzt einen wöchentlichen FoodNote-Bericht: welche Lebensmittel Sie am häufigsten essen, was zur Neige geht und welche Konsummuster sich gebildet haben. Das System analysiert Ihre Ernährung und schlägt Rezepte vor, die auf Ihre Fitnessziele abgestimmt sind. Dies ist kein Gadget; es ist ein Ernährungsberater mit Zugriff auf Ihren Einkaufswagen.
Samsung kündigte auch AI Hybrid Cooling an – ein Kühlsystem, das sich an Nutzungsmuster anpasst und den Energieverbrauch optimiert. Dazu Xenon-Sterilisation. Plus einen AI Wine Cellar mit einer Kamera, die Etiketten erkennt und Flaschen verfolgt, wenn sie hinzugefügt oder entnommen werden.
Wessen Ökosystem wird überleben: Einsatz für das Ende des Jahrzehnts
Der Kampf Samsung vs. LG ist kein Krieg der Kühlschränke. Es ist ein Krieg der Smart-Home-Standards.
LG baut ein offenes Ökosystem um ThinQ On mit Unterstützung des Matter-Protokolls, das Geräte verschiedener Marken vereint. FURON, der generative KI-Agent des Unternehmens, integriert sich mit Geräten von Samsung, Bosch und anderen Herstellern. Der Fokus liegt auf Kompatibilität und B2B-Integration mit Bauträgern.
Samsung schließt Nutzer in seine eigene Welt ein: SmartThings, Bixby, Galaxy, Family Hub. 400 Millionen Geräte jährlich erzeugen ein Gravitationsfeld, dem man schwer entkommt. Aber die Eintrittsgebühr ist Markentreue. Wenn Ihr Kühlschrank, Telefon, Ihre Uhr und Ihr Fernseher alle dieselbe Sprache sprechen, wird der Wechsel zu einem konkurrierenden Ökosystem zu einer digitalen Scheidung mit Vermögensaufteilung.
Aus Nutzersicht ist 2026 ein Wendepunkt. Sprachsteuerung ist keine Neuheit mehr. Ein Kühlschrank, der selbstständig Milch bestellt, ein Fernseher, der Ihren Cholesterinspiegel kennt, und ein Roboter, der T-Shirts faltet, sind keine Konzepte mehr. Es sind Produkte mit konkreten Lieferterminen und Preisen.
Die Hauptfrage ist der Datenschutz. Damit der Kühlschrank weiß, was Sie essen, und der Fernseher, was Sie sehen, benötigen sie kontinuierlichen Datenzugriff. LG und Samsung versprechen geräteinterne Verarbeitung und Verschlüsselung. Aber wenn Ihr Staubsauger, Ofen und Ihre Waschmaschine Daten in die Cloud senden, wächst die Angriffsfläche exponentiell. Die Regulierungsbehörden schweigen vorerst. Aber dieses Schweigen wird wahrscheinlich nicht lange anhalten – besonders in Europa, wo die DSGVO bereits im IoT-Bereich schnüffelt.
Bis 2030 wird die Grenze zwischen einem Entwicklerprodukt und einem Verbraucher-Gadget verschwinden. Sie werden eine Wohnung nicht nach Quadratmetern auswählen, sondern danach, welches KI-Gehirn sie steuert – Samsung, LG oder jemand anderes. Und ja, bis dahin wird der Kühlschrank aufgehört haben, nur ein Kühlschrank zu sein.
— Editorial Team
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