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KI und Vertrauen ins Denken: Wie man kognitive Passivität vermeidet

APA-Studie mit 1923 Teilnehmern zeigte, dass passive KI-Nutzung das Vertrauen ins eigene Denken mindert. Aktive Interaktion erhält kritisches Denken und Autorschaftsgefühl.

Warum KI das Vertrauen untergräbt – und wie man es vermeidet
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Wie der Umgang mit KI das Vertrauen in das eigene Denken beeinflusst: Ergebnisse einer APA-Studie

Eine im Fachjournal APA Technology, Mind, and Behavior veröffentlichte Studie zeigt: Die Nutzung großer Sprachmodelle macht die Menschen nicht dümmer, kann aber das Vertrauen in die eigene Argumentation untergraben – wenn man KI passiv angeht. Entscheidend ist nicht die KI-Nutzung an sich, sondern der Grad der aktiven Beteiligung des Nutzers bei der Erstellung und Bearbeitung der Antworten.

Passivität als Hauptgefahr

Im Experiment nahmen 1.923 Beschäftigte aus den USA und Kanada teil. Sie sollten zehn simulierte berufliche Aufgaben mit ChatGPT, Claude und Gemini lösen. Die Aufgaben umfassten typische Büroszenarien: Erstellung von Plänen bei unvollständigen Informationen, Interpretation mehrdeutiger Daten, Begründung strategischer Entscheidungen und Aufbau mehrstufiger Abläufe.

58 % der Teilnehmer stimmten der Aussage zu: „Die KI hat den Großteil der geistigen Arbeit für mich übernommen.“ Die Forscher stellten jedoch fest, dass ein geringeres Vertrauen in die eigenen Schlussfolgerungen nicht mit der KI-Nutzung per se zusammenhing, sondern damit, wie passiv die Menschen die Vorschläge der KI übernahmen. Wer die Antworten des Modells fast unverändert ließ, berichtete häufiger von einem Verlust des Besitzgefühls und geringerem Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen.

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Im Gegensatz dazu behielten Teilnehmer, die Teile der KI-Antworten bearbeiteten, anzweifelten oder ablehnten, ein höheres Vertrauensniveau bei und empfanden das Ergebnis als wirklich eigenes. Wie die Neurowissenschaftlerin Sarah Baldeo von der Middlesex University betont: „Das Problem ist nicht die KI-Nutzung an sich, sondern der Grad der passiven Akzeptanz.“

Aufgabentyp prägt das Verhalten

Interessanterweise hängt die Tendenz zur passiven Delegation von der Art der Aufgabe ab. Bei offenen, mehrstufigen Aufgaben – die einen großen Teil der beruflichen Arbeit ausmachen – überließen die Teilnehmer der KI häufiger die volle Initiative. Bei persönlichen oder reflektierenden Aufgaben (wie der Selbsteinschätzung des Charakters oder der Reflexion über eigene Erfahrungen) prüften und hinterfragten sie die Vorschläge des Modells hingegen viel kritischer.

Zudem wirkte berufliche Erfahrung schützend. Senior-Spezialisten stritten öfter mit der KI als Juniors und berichteten von höherem Vertrauen ins Endergebnis. Das deutet darauf hin, dass Fachwissen auch bei aktiver KI-Nutzung eine kritische Distanz aufrechterhält.

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Empfehlungen für Entwickler und Nutzer

Auf Basis der Ergebnisse rät Baldeo KI-System-Entwicklern, Mechanismen einzubauen, die aktive Beteiligung fördern:

  • Automatische Vorschläge mehrerer Alternativlösungen.
  • Aufforderung zur Überprüfung zentraler Annahmen hinter der Antwort.
  • Schrittweise Erklärung der Argumentationslogik des Modells.
  • Hinweise, die Nutzer zum Erweitern oder Überarbeiten der Ausgabe ermutigen.

Ähnliche Ansätze werden bereits in der Forschung getestet. So präsentierte das Team von Mina Lee von der University of Chicago auf der CHI 2026 Conference eine Studie mit 393 Teilnehmern. Diejenigen, die die Aufgabe zunächst selbst teilweise bearbeiteten und erst dann zum Chatbot griffen, zeigten bessere Ergebnisse im kritischen Denken als solche, die direkt mit KI begannen. Auch unter Zeitdruck bot eine frühe KI-Nutzung immer noch einen Geschwindigkeitsvorteil.

Beide Studien stimmen in einem Punkt überein: KI steigert kognitive Fähigkeiten nur, wenn Menschen die Rolle des Bearbeiters einnehmen und nicht die des passiven Verbrauchers.

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Wichtige Erkenntnisse

  • Die KI-Nutzung an sich mindert die Intelligenz nicht, kann aber das Vertrauen in die eigene Argumentation untergraben.
  • Hauptgefahr ist die passive Akzeptanz von Antworten ohne kritische Prüfung.
  • Aktives Bearbeiten, Hinterfragen und selektives Übernehmen von KI-Vorschlägen bewahrt Besitzgefühl und Vertrauen.
  • Erfahrene Fachkräfte sind weniger anfällig für „kognitive Auslagerung“ dank geschärftem Expertenintuition.
  • Das Design von KI-Oberflächen sollte kritisches Interagieren fördern, nicht Entscheidungen auf einen Klick reduzieren.

— Editorial Team

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