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D-Wave-Quantencomputing: 65 % der britischen Unternehmen testen

Der Artikel analysiert kritisch die D-Wave-Umfrage, die behauptet, dass 65 % der britischen Unternehmen Quantencomputing testen. Er zeigt den Unterschied zwischen Proof-of-Concept-Phasen und tatsächlicher Implementierung, den Interessenkonflikt des Forschungskunden sowie versteckte Vorteile für Wettbewerber und Beratungsunternehmen auf. Der Autor warnt vor blindem Vertrauen in Marketingzahlen und erklärt den tatsächlichen Stand des Quantenmarktes.

Analyse der D-Wave-Umfrage: Die Wahrheit über Quantencomputing in Großbritannien
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D-Wave: 65 % der großen britischen Unternehmen testen bereits Quantencomputing

Laut einer Umfrage glauben 41 % der Führungskräfte, dass Quantentechnologien ihrem Unternehmen innerhalb eines Jahres über 100 Millionen Pfund einbringen könnten. Das größte Interesse gilt Aufgaben der Lieferketten- und Ressourcenoptimierung.


Einblick: 65 % der britischen Unternehmen ‚testen Quanten‘. Die D-Wave-Umfrage ist keine Wissenschaft – sie ist Marketing und ein Kampf um Aktionäre

Als D-Wave am 3. Juni 2026 die Ergebnisse einer Censuswide-Umfrage veröffentlichte, schlugen die Schlagzeilen ein: „65 % der britischen Unternehmen testen bereits Quantencomputing“, „41 % erwarten Gewinne von über 100 Millionen Pfund pro Jahr“. Es klingt, als sei die Quantenrevolution bereits da, und wer keinen Quantencomputer hat, habe den Zug verpasst.

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Aber als unabhängiger Analyst, der Dutzende ähnlicher „Branchenumfragen“ gesehen hat, versichere ich Ihnen: Diese Nachricht handelt nicht von Wissenschaft oder Technologie. Es geht um D-Waves Aktienkurs (QBTS), einen verzweifelten Versuch, die Konkurrenz zu überholen, und einen PR-Krieg um die Köpfe der Digitalisierungsdirektoren. Und die wichtigste Erkenntnis hier ist, dass D-Wave den Begriff „Testen“ manipuliert und den wahren Stand der Dinge verschleiert.

[Der Kern]: Was wirklich passiert

Die offizielle Version besagt, dass Unternehmen von der Frage „Warum brauchen wir Quanten?“ zu „Wie setzen wir es um?“ übergegangen sind. Murray Thom, VP of Quantum Technology Evangelism bei D-Wave, verkündet die Ankunft der „Ära der unternehmerischen Quantenadoption“. Aber lassen Sie uns die Zahlen aufschlüsseln.

Die Umfrage wurde unter 1.003 leitenden Geschäftsentscheidern durchgeführt. 65 % „implementieren oder testen bereits“. Aber innerhalb dieser Zahl klafft eine Lücke: 26 % „implementieren aktiv“, während 39 % „durch Pilotprojekte oder Proof-of-Concept experimentieren“. Im Unternehmensverkauf ist der Unterschied zwischen „Implementierung“ und „Proof-of-Concept“ der Unterschied zwischen einem unterschriebenen Scheck über 2 Millionen Dollar und einem kostenlosen Testkonto in der Cloud.

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Der Kern: D-Wave veröffentlicht diese Umfrage, um Investoren zu überzeugen, dass der Markt hier und jetzt existiert. Aber die Realität ist: D-Waves Umsatz im ersten Quartal 2026 betrug nur 2,86 Millionen Dollar und verfehlte damit die Analystenprognosen von 4,19 Millionen Dollar. Selbst der Verkauf des Advantage2-Systems an die Florida Atlantic University für 20 Millionen Dollar ist ein Einzelvertrag, kein Massentrend.

Warum ist das wichtig? Weil D-Wave in einer einzigartigen Position ist. Einerseits ist ihre Aktie in den letzten 12 Monaten um 358 % gestiegen. Andererseits geben sie riesige Summen für die Entwicklung der Gate-Model-Richtung aus, nachdem sie Quantum Circuits für 550 Millionen Dollar übernommen haben. Sie müssen um jeden Preis die Erzählung „Quanten funktionieren bereits“ aufrechterhalten, sonst fürchten die Investoren die Ausgaben und fliehen zu IonQ oder Rigetti.

Zeitstrahl und Kontext

Diese Umfrage ist kein Zufall. Schauen Sie sich D-Waves Zeitstrahl im Jahr 2026 an.

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Januar 2026: D-Wave kündigt einen technologischen Durchbruch an – die erste skalierbare On-Chip-Kryosteuerung von Qubits. Gleichzeitig wird die Übernahme von Quantum Circuits für 550 Millionen Dollar bekannt gegeben. Das Unternehmen wechselt von „reinem Annealing“ zu „Dual-Plattform“ – sowohl Annealing als auch Gate-Model.

26. Januar 2026: D-Wave veröffentlicht seine Roadmap 2026-2027. Ziel: 17 physische Qubits im Jahr 2026 und 49 im Jahr 2027, mit 90 % Fehlererkennung durch Dual-Rail-Architektur.

Mai 2026: Censuswide führt im Auftrag von D-Wave eine Umfrage unter 1.003 leitenden Entscheidern durch (Daten erhoben vom 7. bis 13. Mai).

3. Juni 2026: Veröffentlichung der Umfrageergebnisse, die von City AM, New Electronics und anderen Medien breit aufgegriffen werden.

Parallel: Rigetti verzögert die Veröffentlichung seines 108-Qubit-Systems Cepheus-1 aufgrund von Gate-Fidelity-Problemen. Dies ist der perfekte Moment für D-Wave, um die Marktaufmerksamkeit zu gewinnen.

Der nicht offensichtliche Kontext: D-Wave hat das Vereinigte Königreich nicht zufällig gewählt. Es ist der zweitgrößte Markt für Quantendienstleistungen in Europa nach Deutschland, mit einem prognostizierten Wachstum von 50 Millionen Dollar im Jahr 2025 auf 379 Millionen Dollar bis 2032. Zudem ist das Vereinigte Königreich die Heimat von D-Waves wichtigstem europäischen Konkurrenten – Oxford Quantum Circuits (OQC), das kürzlich 350 Millionen Dollar eingesammelt hat. Mit der Veröffentlichung der Umfrage „65 % der Unternehmen testen“ signalisiert D-Wave britischen Unternehmen: „Ihre Konkurrenten sind bereits bei uns – wo sind Sie?“

Wer gewinnt und wer verliert

Gewinner Nr. 1: D-Waves Marketingabteilung. Sie haben ein perfektes PR-Produkt geschaffen. Die Zahlen „65 %“ und „100 Millionen Pfund“ haben virales Potenzial. Sie werden jahrelang in Vorstandspräsentationen und Branchenberichten zitiert werden. Es hat sie fast nichts gekostet (Censuswide ist nicht die teuerste Firma), und der Ertrag in Form von gesteigertem Aktienvertrauen ist enorm.

Gewinner Nr. 2: D-Waves Konkurrenten (IonQ, Rigetti, OQC). Ja, Sie haben richtig gehört. Diese Umfrage legitimiert die Quantenindustrie als Ganzes. Früher fragte ein CEO: „Ist Quanten nicht ein Betrug?“ Jetzt fragen sie: „Wenn 65 % des Marktes bereits testen, was ist unser Quantenplan?“ Der gesamte Markt profitiert von dieser Erzählung, selbst wenn die Zahlen übertrieben sind.

Gewinner Nr. 3: Accenture, Deloitte, PwC. Diese Berater verkaufen jetzt „Quantenbereitschaftsbewertungen“ wie warme Semmeln. Kunden rufen an und sagen: „Wir wollen nicht zu den 35 % gehören, die zurückfallen. Geben Sie uns eine Quantenstrategie für 500.000 Dollar.“ D-Wave hat keinen Markt für Quantencomputer geschaffen; sie haben einen Markt für Quantenberatung geschaffen.

Verlierer Nr. 1: IBM Quantum und Google Quantum AI. Sie haben Milliarden über Jahrzehnte investiert, um universelle Gate-Model-Quantencomputer zu bauen. Dann kommt D-Wave mit seinem Annealing (das nur Optimierungsprobleme löst) und erklärt, dass „das Quantenzeitalter angebrochen ist“. Dies verwässert den Wert ihres Ansatzes. Investoren könnten denken: „Warum auf IBMs 2030 warten? D-Wave ist bereits da.“ Es ist unfair, aber es funktioniert.

Verlierer Nr. 2: Quantenskeptiker. Physiker und Ingenieure, die lange argumentiert haben, dass Quantencomputer für reale Geschäfte noch nutzlos sind, wirken jetzt wie Außenseiter. Die Umfrage zeigt, dass 87 % der Befragten glauben, dass Quanten KI-Prozesse optimieren können. Wissenschaftlich ist dies noch nicht bewiesen. Aber im Geschäftsleben ist Wahrnehmung Realität.

Unerwarteter Verlierer: CEOs, die diese Zahl als absolute Wahrheit nehmen.

Diejenigen, die Quantensysteme kaufen, ohne den Unterschied zwischen Annealing und Gate-Model zu verstehen, riskieren, Millionen zu verschwenden. D-Wave stellt ehrlich fest, dass 88 % der Befragten Vorteile in der Lieferkettenoptimierung sehen – eine klassische Annealing-Aufgabe. Aber ein Direktor könnte entscheiden, dass „Quanten“ jedes Problem lösen wird. Ergebnis: Enttäuschung und verlorenes Geld.

Was die Medien nicht sagen

Erste und wichtigste Erkenntnis: „Testen“ ≠ „Im Einsatz in der Produktion“.

In der Umfrage befinden sich 39 % der Befragten in der Phase „Pilotprojekte oder Proof-of-Concept“. Was bedeutet das in der Praxis? Höchstwahrscheinlich hat ein Junior-Analyst im Unternehmen ein kostenloses Konto bei D-Waves Cloud-Dienst Leap (der übrigens eine Verfügbarkeit von 99,9 % hat) erstellt und ein paar Testaufgaben ausgeführt. Das ist keine „Implementierung“. Es ist „ich habe mal reingeschaut“. Im Unternehmensverkauf liegen zwischen „Testen“ und „Bezahlen für die Produktion“ Jahre und Millionen von Dollar.

Zweites Schweigen: Interessenkonflikt. Die Umfrage wurde von D-Wave in Auftrag gegeben und von Censuswide durchgeführt. Censuswide ist ein seriöses Unternehmen, Mitglied von MRS und BPC. Aber die Methodik der Umfrage ist nicht vollständig veröffentlicht. Wir wissen nicht genau, wie die Fragen gestellt wurden. Zum Beispiel ist die Frage: „Glauben Sie, dass Quantencomputing Ihrem Unternehmen nützen könnte?“ nicht dasselbe wie „Planen Sie, Quantenausrüstung für 100 Millionen Pfund zu kaufen?“ Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass den Befragten ein „hypothetisches Szenario“ angeboten wurde, kein echtes Budget. Die Medien heben dies nicht hervor.

Dritte Erkenntnis: die Lücke zwischen Erwartungen und D-Waves Realität. Das Unternehmen selbst veröffentlicht Produktivitätssteigerungen am Investorentag:

  • Planungszeiten: von 10 Stunden auf Sekunden.
  • Effizienz der Einzelhandelsplanung: +80 %.
  • Routen für 1.000 Fahrzeuge: 5 Minuten statt 30.

Beeindruckend? Ja. Aber wo ist die unabhängige Überprüfung? Diese Zahlen werden von D-Wave selbst bereitgestellt. Kein externer Prüfer hat sie überprüft. Branchengerüchte deuten darauf hin, dass einige dieser Fälle Ergebnisse von hybriden Lösern sind, bei denen 95 % der Arbeit von einem klassischen Supercomputer erledigt wird und der Quantenchip nur an der endgültigen Anpassung beteiligt ist. D-Wave verheimlicht dies nicht (sie bewerben tatsächlich hybride Lösungen über den Stride-Löser), aber in Pressemitteilungen zur Umfrage lassen sie es weg.

Vierte, die am wenigsten offensichtliche Erkenntnis: Diese Umfrage ist die Vorbereitung für einen großen SPAC oder eine Zweitplatzierung.

D-Wave-Aktien (QBTS) werden an der NYSE gehandelt. Das Unternehmen hat eine Marktkapitalisierung von etwa 10 Milliarden Dollar (laut Nasdaq-Daten vom Januar 2026). Aber der Umsatz ist Peanuts. Um eine solche Bewertung zu rechtfertigen, ist explosives Wachstum erforderlich. Die Veröffentlichung solcher Umfragen erzeugt eine Illusion von Massennachfrage, die notwendig ist, um neue Investitionen anzuziehen oder zu verhindern, dass große institutionelle Anleger (wie BlackRock) aussteigen. Dies ist Finanztechnik, getarnt als Branchenforschung.

Prognose: Nächste 30 Tage und 90 Tage

Nächste 30 Tage (bis Anfang Juli 2026).

Eine Welle von Veröffentlichungen über die Umfrage wird die Wirtschaftsmedien weltweit erfassen. D-Wave wird Webinare mit „Quantenführern“ aus den befragten Unternehmen organisieren (natürlich denen, die zugestimmt haben). Dies wird die QBTS-Kurse auf dem aktuellen Niveau stützen.

Allerdings werden Wall-Street-Analysten beginnen, unangenehme Fragen zu stellen. Notizen wie „D-Wave-Umfrage: gute PR, aber wo ist der Umsatz?“ werden auftauchen. Wenn D-Wave in den nächsten 30 Tagen keine großen Verträge bekannt gibt, könnten die Aktien um 10-15 % korrigieren.

Nächste 90 Tage (September 2026).

D-Wave wird die Ergebnisse des zweiten Quartals 2026 vorlegen müssen. Wenn der Umsatz erneut unter den Prognosen liegt (4-5 Millionen Dollar), wird diese gesamte PR-Kampagne nach hinten losgehen. Investoren werden zu dem Schluss kommen, dass „Experimente“ sich nicht in Geld verwandeln.

Ein wahrscheinlicheres Szenario: D-Wave kündigt eine Partnerschaft mit einem der „Großen Drei“ Beratungsunternehmen (McKinsey, BCG, Bain) für gemeinsame „Quantenberatung“ an. Dies wäre der nächste Schritt zur Monetarisierung ihres Hypes. Erwarten Sie auch Neuigkeiten über D-Waves erste Gate-Model-Systeme – sie sind für 2026 versprochen. Dann wird sich zeigen, ob D-Wave mit IBM und Google auf deren Terrain konkurrieren kann.

Die wichtigste Erkenntnis vom 5. Juni 2026: Die D-Wave-Umfrage ist ein brillanter Marketing-Schachzug, keine wissenschaftliche Tatsache. 65 % der britischen Unternehmen haben keine Quantencomputer. Sie haben PowerPoint-Präsentationen und Zugang zu Cloud-Testumgebungen. Realität: Der Markt für Quantencomputing steckt noch in den Kinderschuhen, und die Massenadoption ist Jahre, wenn nicht Jahrzehnte entfernt. Aber D-Wave braucht, dass Sie das Gegenteil glauben. Und nach den Schlagzeilen zu urteilen, gelingt ihnen das.

— Editorial Team

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