## NASA schaltet Voyager-1-Instrument ab, um interstellare Mission zu verlängern
NASA-Ingenieure haben eines der letzten noch betriebsbereiten wissenschaftlichen Instrumente an Bord von Voyager 1 zwangsweise abgeschaltet – das Low-Energy Charged Particle (LECP)-Experiment. Diese Entscheidung verlängert die Betriebszeit der Sonde um etwa ein weiteres Jahr, trotz kritisch niedriger Leistungsreserven. Die 1977 gestartete Mission liefert weiterhin einzigartige Daten aus dem interstellaren Raum, in dem sich die Sonde seit 2012 befindet.
Stromkrise an Bord der ältesten Raumsonde
Voyager 1 wird von drei Radioisotope Thermoelectric Generators (RTGs) versorgt, die Wärme aus dem Zerfall von Plutonium-238 in Strom umwandeln. Seit dem Start ist die Leistung dieser Quellen stetig gesunken – um etwa 4 Watt pro Jahr. Bis 2026 wird die verfügbare Energie so niedrig sein, dass nicht mehr alle Systeme gleichzeitig betrieben werden können. Im Februar 2026 führte ein plötzlicher Spannungsabfall fast zum Auslösen des Sicherheitsmodus der Sonde, was Monate gedauert hätte, um die Kommunikation und Funktionalität wiederherzustellen.
Um solche Risiken zu vermeiden, hat das Projektteam am Jet Propulsion Laboratory (JPL) einen vorbereiteten Abschaltplan für Instrumente umgesetzt. LECP war das neueste Opfer dieses Plans – sein Gegenstück an Bord von Voyager 2 wurde bereits im März 2025 deaktiviert.
Wissenschaftliches Erbe von LECP und aktuelle Fähigkeiten
Das LECP-Experiment spielte eine entscheidende Rolle bei der Untersuchung der Heliosphärengrenze – dem Bereich, der vom Sonnenwind beeinflusst wird. Es registrierte Ströme von Ionen, Elektronen und galaktischen kosmischen Strahlen und ermöglichte es den Wissenschaftlern, den genauen Moment zu bestimmen, in dem Voyager 1 in den interstellaren Raum eintrat. LECP-Daten bilden die Grundlage für Karten der Struktur des interstellaren Mediums, die kein anderes Instrument liefern kann.
Nach der Abschaltung von LECP an Bord von Voyager 1 sind nur noch zwei wissenschaftliche Instrumente aktiv:
- Plasma Wave Detector (PWS) – misst Schwankungen der Plasmadichte im interstellaren Medium;
- Magnetometer (MAG) – erfasst Richtung und Stärke magnetischer Felder jenseits der Heliosphäre.
Diese Instrumente liefern weiterhin unschätzbare Daten zu den physikalischen Bedingungen im interstellaren Raum, trotz des Alters der Sonde und der Leistungsbeschränkungen.
Strategie zur Missionsverlängerung: Technische Abwägungen
Das JPL-Team setzt einen mehrstufigen Ansatz ein, um die Ressourcen von Voyager 1 zu managen:
- Schrittweise Abschaltung von Instrumenten nach wissenschaftlicher Priorität, festgelegt in den 2010er-Jahren.
- Umverteilung der Leistung unter den verbleibenden Systemen, einschließlich Ein-/Ausschalten von Heizungen und Anpassungen der Bordcomputer-Modi.
- Optimierung der Telemetrie – Reduzierung des Datenvolumens ohne Verlust wichtiger wissenschaftlicher Informationen.
- Aufrüstung der Bodeninfrastruktur, wie empfindlichere Antennen im Deep Space Network zur Empfang schwacher Signale.
Diese Maßnahmen halten den Kontakt zur Sonde aufrecht, die nun über 24 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt ist, wo Funksignale mehr als 22 Stunden einweg brauchen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Abschaltung von LECP verlängert den Betrieb von Voyager 1 um etwa ein Jahr.
- Die Sonde bleibt die einzige Quelle für vor-Ort-Daten aus dem interstellaren Raum.
- RTG-Leistung sinkt um ~4 W pro Jahr; bis 2027 reicht sie vielleicht nicht einmal für Basissysteme.
- Alle Abschaltentscheidungen folgen einem langfristigen Plan, der von der Wissenschaftsgemeinde genehmigt wurde.
- Voyager 2 folgt einem ähnlichen Pfad und wird voraussichtlich 2027–2028 die Datenübertragung einstellen.
Die Voyager-Mission zählt zu den langlebigsten und ertragreichsten Unternehmungen in der Geschichte der Raumfahrt. Ihr technisches Erbe prägt den Entwurf moderner interplanetarer Sonden, einschließlich Leistungsmanagement und Fehlertoleranzsystemen. Selbst in der Dämmerungsphase verfeinert die Mission unser Verständnis der Ränder des Sonnensystems und dessen, was dahinter liegt.
— Editorial Team
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