# Wie Fog Data Science der US-Polizei das Nachverfolgen von Handys ohne richterlichen Beschluss ermöglicht
Seit Anfang 2026 haben die Polizeibehörden des Bundesstaats Nevada Zugriff auf ein Tool von Fog Data Science, das die Echtzeitverfolgung von Mobilgerät-Standorten ohne Gerichtsbeschluss ermöglicht. Die Technologie nutzt Daten aus kommerziellen Apps und liefert den Strafverfolgungsbehörden Infos zu den Bewegungen von Millionen Nutzern – auch solcher, die keinerlei Straftaten vorgeworfen werden.
Wie die Daten gesammelt werden: Advertising IDs als Schlüssel
Fog Data Science arbeitet nicht direkt mit Telekommunikationsanbietern oder Gerätebesitzern zusammen. Stattdessen aggregiert das Unternehmen Daten aus Drittanbietern – vor allem aus mobilen Apps, die Standortinformationen an Werbenetze weiterleiten. Der zentrale Identifikator in diesem System ist die advertising ID (z. B. IDFA bei iOS oder AAID bei Android). Diese IDs werden vom Betriebssystem jedem Gerät zugewiesen und dienen der Personalisierung von Werbung.
Obwohl diese IDs formal keinen Nutzernamen enthalten, sind sie an ein bestimmtes Gerät gebunden. Im Laufe der Zeit lassen sich daraus Verhaltensmuster rekonstruieren: Wohn- und Arbeitsadresse, Fahrtwege, häufig besuchte Orte. Fog Data bezeichnet die Daten als „anonymisiert“, doch Forscher zeigen: Eine vollständige Anonymisierung ist unter diesen Bedingungen unmöglich – schon wenige Standortpunkte reichen, um eine Person zu identifizieren.
Abfragesystem: Zwei Suchmodi
Die Fog Data-Plattform stellt Ermittlern zwei Sucharten zur Verfügung:
- Device Search – Geben Sie eine spezifische advertising ID ein, und das System liefert deren Bewegungsverlauf.
- Geofence Search – Definieren Sie ein geografisches Gebiet (z. B. ein Rechteck auf einer Karte), und das System listet alle Geräte auf, deren Signale in diesem Bereich während des angegebenen Zeitraums registriert wurden.
Eine einzige Abfrage kann Zehntausende von Einträgen liefern. Bei der Untersuchung eines Massenereignisses (Explosion, Protest, Terroranschlag) können Polizisten so eine Liste aller Geräte in der Nähe des Tatorts erhalten. Diese werden dann mit anderen Quellen abgeglichen – Überwachungskameras, Zeugenaussagen, Social Media –, um Personen zu identifizieren.
Rechtliche und ethische Risiken
Traditionell erfordert in den USA der Zugriff auf Handy-Standortdaten einen richterlichen Beschluss auf Basis von „vermuteter Ursache“, wie im Vierten Verfassungszusatz gefordert. Fog Data umgeht dies jedoch, indem es behauptet, keine „Personendaten“, sondern „kommerzielle Analysen“ zu verkaufen.
Der Vertrag Nevadas mit Fog Data kostet 12.000 Dollar pro Jahr – eine Summe unter der Schwelle, die eine öffentliche Ausschreibung erfordert. Die Finanzierung stammt aus einem Bundesförderprogramm, was die Transparenz weiter mindert. Das Nevada Department of Public Safety gibt nicht preis, bei welchen Straftaten die Technologie eingesetzt wird oder wie ihre Nutzung überwacht wird.
Datenschutzexperten warnen: Die Massensammlung von Standortdaten ohne gerichtliche Kontrolle schafft ein System der totalen Überwachung. Besonders besorgniserregend ist, dass Daten unschuldiger Bürger in der Datenbank landen – allein weil sie eine App installiert haben, die Standortdaten an Dritte weitergibt.
Praktische Einsatzbeispiele
Laut journalistischen Recherchen wurde die Fog Data-Technologie bereits in anderen Bundesstaaten eingesetzt:
- Bei Mordermittlungen, um Verdächtige am Tatort zu identifizieren.
- Zur Verfolgung der Bewegungen von Personen, die am Kapitolsturm im Januar 2021 beteiligt waren.
- Bei der Analyse von Massenveranstaltungen und potenziellen Terrorbedrohungen.
In allen Fällen ermöglichte das System eine schnelle Eingrenzung auf interessante Personen, verletzte aber auch die Privatsphäre Tausender Unbeteiligter.
Wichtige Punkte
- Fog Data Science sammelt Standortdaten über advertising IDs aus kommerziellen Apps.
- Nevada-Polizisten können bis zu 250 Abfragen pro Monat ohne Gerichtsbeschluss stellen.
- Das System arbeitet in zwei Modi: nach Geräte-ID und nach Geofence.
- Die Daten sind formal „anonymisiert“, lassen sich aber durch Verhaltensmuster leicht deanonymisieren.
- Ein rechtliches Schlupfloch erlaubt die Umgehung der Vorgaben des Vierten Verfassungszusatzes der USA.
Entwickler und Nutzer sollten wissen: Wer eine App mit Standortzugriff installiert, landet potenziell in Datenbanken der Strafverfolgungsbehörden – auch ohne jeden Verdacht.
— Editorial Team
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